Ratgeber · Pflegepersonaluntergrenzen

PpUGV einfach erklärt: Pflegepersonaluntergrenzen im Krankenhaus

Die PpUGV nennt für pflegesensitive Krankenhausbereiche feste Verhältniszahlen von Patienten je Pflegekraft, die in keiner Schicht unterschritten werden dürfen. Was die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung vorschreibt, wann der Nachweis fällig ist, was eine Unterschreitung kostet — und welcher Teil der Meldung aus dem Dienstplan kommt.

Auf einen Blick

Rechtsgrundlage
§ 137i SGB V in Verbindung mit der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV). In Kraft seit 2019, die Fassung wird fortlaufend neu vereinbart.
Gegenstand
Eine Untergrenze, kein Bedarf: Die Verordnung sagt nicht, wie viel Personal eine Station braucht, sondern ab wann zu wenig da ist.
Geltungsbereich
Pflegesensitive Krankenhausbereiche — für 2026 sind 19 Bereiche festgelegt. Die Werte gelten je Bereich und je Schicht, getrennt nach Tag und Nacht.
Meldetermine
Quartalsweise zum 15. April, 15. Juli, 15. Oktober und 15. Januar, dazu eine Jahresmeldung mit Testierung — für 2026 bis zum 30. Juni 2027.
An wen
An das InEK und zusätzlich an die örtlichen Vertragsparteien nach § 11 KHEntgG.
Folgen
Eine eigene PpUG-Sanktions-Vereinbarung; vorgesehen sind Vergütungsabschläge. Das unterscheidet die PpUGV von der PPBV, die in der Einführungsphase keine Sanktionen kennt.

Untergrenze statt Bedarf: wie die PpUGV rechnet

Die PpUGV arbeitet mit Verhältniszahlen: so und so viele Patientinnen und Patienten je Pflegekraft, festgelegt für jeden pflegesensitiven Bereich und für jede Schicht. Die Nachtschicht trägt dabei andere Werte als der Tag. Mehr als diese zwei Kästen kennt die Verordnung nicht — Früh- und Spätdienst fallen beide unter den Tag.

Das ist etwas anderes als eine Bedarfsrechnung. Die Untergrenze ist erfüllt oder sie ist es nicht; sie sagt nichts darüber, ob die Besetzung der Arbeit angemessen war. Eine Station kann jede Untergrenze einhalten und trotzdem zu dünn besetzt sein — dafür ist die PPBV zuständig, und sie gilt daneben, nicht danach.

Die konkreten Verhältniszahlen je Bereich stehen bewusst nicht auf dieser Seite. Sie werden fortlaufend neu vereinbart, und eine Tabelle, die ein Jahr alt ist, richtet in einer Prüfung mehr Schaden an als gar keine. Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung der Verordnung; die Anwendungshinweise der Deutschen Krankenhausgesellschaft erläutern sie für die Praxis.

PpUGV oder PPBV: welche Vorschrift ist gemeint?

Beide Verordnungen gelten im Krankenhaus, nebeneinander und nicht nacheinander. Die verbreitete Auskunft, die PPBV habe die PpUGV abgelöst, trifft nicht zu. Sie unterscheiden sich in fast allem:

  • Gegenstand. PpUGV: wie wenig ist zu wenig. PPBV: wie viel wird gebraucht.
  • Wie der Wert entsteht. PpUGV: feste Verhältniszahlen je Bereich und Schicht. PPBV: tägliche Einstufung jeder Patientin in A1 bis A4 und S1 bis S4, mit Minutenwerten je Stufe.
  • Meldetermin. PpUGV: zum 15. des Folgemonats. PPBV: bis zum Ablauf des Folgemonats.
  • Empfänger. PpUGV: InEK und örtliche Vertragsparteien nach § 11 KHEntgG. PPBV: nur das InEK.
  • Folgen einer Abweichung. PpUGV: eigene Sanktions-Vereinbarung mit Vergütungsabschlägen. PPBV: derzeit keine — die Einführungsphase kennt weder Erfüllungsgrade noch Sanktionen.

Daraus folgt ein Satz, der im Beschaffungsgespräch oft schiefgeht: Wer heute im Krankenhaus mit einer drohenden Sanktion argumentiert, meint die PpUGV. Die PPBV ist die aufwendigere Meldung, aber die folgenlose.

Was der Nachweis verlangt

Gemeldet wird monatsweise, getrennt nach Tag- und Nachtschicht, je Station und je Krankenhausstandort. Vier Angaben gehören hinein:

  • die durchschnittliche Pflegepersonalausstattung, getrennt nach Pflegefachkräften und Pflegehilfskräften
  • die durchschnittliche Personalausstattung an Hebammen
  • die durchschnittliche Patientenbelegung, die Bettenzahl und die Belegungstage
  • die Anzahl der Schichten, in denen die Untergrenze nicht eingehalten wurde

Die vierte Zahl ist die, an der die Folgen hängen. Sie entsteht nicht im Quartal, in dem gemeldet wird, sondern in jeder einzelnen Schicht davor — im Dienstplan, Monate bevor jemand sie zusammenzählt.

Was aus dem Dienstplan kommt — und was nicht

Dieser Abschnitt steht hier, weil er in den meisten Darstellungen fehlt. Ein Dienstplan kann den PpUGV-Nachweis nicht vollständig erzeugen, und jede Software, die das verspricht, verspricht etwa ein Drittel zu viel:

  • Kommt vollständig aus dem Dienstplan: die Anzahl der Schichten mit Unterschreitung. Das ist ein Soll-Ist-Vergleich je Schicht und sonst nichts.
  • Kommt zur Hälfte: die durchschnittliche Pflegepersonalausstattung. Die Stunden stehen im Plan; ob jemand als Fachkraft oder als Hilfskraft zählt, hängt an der gepflegten Qualifikation.
  • Kommt gar nicht: Patientenbelegung, Bettenzahl und Belegungstage. Diese Zahlen liegen im Krankenhausinformationssystem, und ein Dienstplan weiß nichts von Patienten.

Der praktische Schluss ist trotzdem günstig: Der Teil, der aus dem Dienstplan kommt, ist genau der Teil, der laufend anfällt und im Nachhinein am schwersten zu rekonstruieren ist. Wer im Quartal nachzählt, wie oft die Untergrenze gerissen wurde, zählt etwas, das nicht mehr zu ändern ist. Wer es beim Planen sieht, kann es noch ändern.

Häufige Fragen zur PpUGV

Was ist die PpUGV?

Die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) legt auf Grundlage von § 137i SGB V fest, wie viele Patientinnen und Patienten in pflegesensitiven Krankenhausbereichen höchstens auf eine Pflegekraft kommen dürfen. Sie nennt also eine Untergrenze, keinen Bedarf: Sie sagt nicht, wie viel Personal eine Station braucht, sondern ab wann zu wenig da ist. Die Werte sind Verhältniszahlen je Bereich und je Schicht, getrennt nach Tag und Nacht, und sie gelten seit 2019 mit fortlaufend neu vereinbarten Fassungen.

Gilt die PpUGV 2026 noch?

Ja. Für 2026 sind 19 pflegesensitive Bereiche festgelegt. Die verbreitete Annahme, die Pflegepersonalbemessungsverordnung (PPBV) habe die PpUGV abgelöst, trifft nicht zu: Beide gelten nebeneinander und rechnen Verschiedenes. Wer im Krankenhaus mit einer drohenden Sanktion argumentiert, meint die PpUGV — die PPBV steht in der Einführungsphase und kennt nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weder zu erreichende Erfüllungsgrade noch Sanktionen.

Wann ist der PpUGV-Nachweis fällig?

Quartalsweise zum 15. April, 15. Juli, 15. Oktober und 15. Januar. Empfänger sind das InEK und zusätzlich die örtlichen Vertragsparteien nach § 11 KHEntgG — das ist ein Unterschied zur PPBV-Meldung, die nur an das InEK geht. Dazu kommt eine Jahresmeldung mit Testierung; für das Jahr 2026 ist sie bis zum 30. Juni 2027 abzugeben.

Was muss im PpUGV-Nachweis stehen?

Monatsweise, getrennt nach Tag- und Nachtschicht, je Station und je Krankenhausstandort: die durchschnittliche Pflegepersonalausstattung getrennt nach Pflegefachkräften und Pflegehilfskräften, die durchschnittliche Personalausstattung an Hebammen, die durchschnittliche Patientenbelegung, die Bettenzahl, die Belegungstage — und die Anzahl der Schichten, in denen die Untergrenze nicht eingehalten wurde. Die letzte Zahl ist die teuerste des Nachweises, denn an ihr hängen die Folgen.

Was passiert, wenn die Pflegepersonaluntergrenze unterschritten wird?

Anders als die PPBV kennt die PpUGV eine eigene Sanktions-Vereinbarung; vorgesehen sind Vergütungsabschläge. Den genauen Mechanismus regelt diese Vereinbarung zwischen den Vertragsparteien auf Bundesebene, nicht die Verordnung selbst — für das eigene Haus ist deshalb der jeweils geltende Vereinbarungstext maßgeblich und nicht eine allgemeine Zusammenfassung. Praktisch wichtiger als die Höhe ist, dass die Zahl der unterschrittenen Schichten ohnehin gemeldet wird: Sie entsteht im Dienstplan, lange bevor jemand sie meldet.

Was ist der Unterschied zwischen PpUGV und PPBV?

Die PpUGV (§ 137i SGB V) nennt eine Untergrenze je pflegesensitivem Bereich und Schicht — wie wenig ist zu wenig. Die PPBV (§ 137k SGB V) ermittelt einen Bedarf aus der täglichen Einstufung jeder Patientin in die Stufen A1 bis A4 und S1 bis S4 — wie viel wird gebraucht. Unterschiedlich sind auch Meldetermin (15. des Folgemonats gegenüber Ablauf des Folgemonats), Empfänger (InEK und örtliche Vertragsparteien gegenüber nur InEK) und die Folgen einer Abweichung (Sanktions-Vereinbarung gegenüber derzeit keine).

Welche Zahlen des PpUGV-Nachweises kommen aus dem Dienstplan?

Vollständig aus dem Dienstplan kommt die Anzahl der Schichten, in denen die Untergrenze nicht eingehalten wurde — sie ist nichts anderes als ein Soll-Ist-Vergleich je Schicht. Zur Hälfte kommt die durchschnittliche Pflegepersonalausstattung: Die Stunden stehen im Plan, die Trennung nach Fachkraft und Hilfskraft hängt an der gepflegten Qualifikation. Nicht aus dem Dienstplan kommen Patientenbelegung, Bettenzahl und Belegungstage; diese Zahlen liegen im Krankenhausinformationssystem. Eine Software, die den PpUGV-Nachweis vollständig verspricht, verspricht ein Drittel zu viel.

Weitere Fragen? Zum Hilfe-Center

Stand: September 2026

Diese Seite fasst den Regelungsstand allgemein verständlich zusammen und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Verhältniszahlen je pflegesensitivem Bereich und die Einzelheiten der PpUG-Sanktions-Vereinbarung ergeben sich aus der jeweils geltenden Fassung und sind hier nicht wiedergegeben. Verbindlich ist der Verordnungstext; für die Bewertung des eigenen Hauses sind die Krankenhausleitung und deren rechtliche Beratung zuständig.

Und in der Praxis?

Unterstützung durch Nurvo

Nurvo zählt die Schichten mit Unterschreitung mit, während der Plan noch offen ist, und gibt sie monatsweise nach Tag und Nacht je Station aus — die eine Zahl des Nachweises, die vollständig aus dem Dienstplan kommt.

Wir nennen das ausdrücklich eine Zulieferung und keine Meldung. Belegung, Bettenzahl und Belegungstage kommen aus dem KIS und nicht von uns; die erzeugte Datei sagt das in ihrem Kopf selbst, damit die Leitung weiß, was sie noch besorgen muss.

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